Ratgeber
Förderprogramme für Digitalisierung und KI: Überblick mit Quellen
Kurz erklärt
Für Digitalisierung und KI gibt es Zuschüsse für Beratung (BAFA, INQA-Coaching), zinsgünstige Kredite (KfW 511/512) und Landesprogramme wie Digitalbonus Bayern, DIGI-Zuschuss Hessen oder MID in NRW. Die bekannten Bundeszuschüsse go-digital und Digital Jetzt sind ausgelaufen. Fast überall gilt: Antrag vor Projektbeginn, sonst ist die Förderung verloren.
Für Digitalisierung und KI gibt es in Deutschland Zuschüsse, Kredite und kostenlose Beratungsangebote, verteilt auf Bund, Länder und EU. Die Landschaft ändert sich jedes Jahr: Programme laufen aus, Kontingente sind erschöpft, Bedingungen werden angepasst. Dieser Überblick nennt für jedes Programm den Status, den wir im Oktober 2026 an der jeweiligen Quelle geprüft haben, und verlinkt die Primärquelle. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung, keine Steuerberatung und keine Fördermittelberatung. Verbindlich sind allein die Richtlinien und die Auskünfte der Förderstellen.
Welche Förderungen gibt es für Digitalisierung und KI?
Grob gibt es vier Arten: Zuschüsse für externe Beratung, Zuschüsse für Investitionen in Software und Hardware, zinsgünstige Förderkredite und kostenlose Beratung durch geförderte Zentren. Bundesweit sind vor allem die BAFA-Beratungsförderung, das INQA-Coaching und der ERP-Förderkredit Digitalisierung der KfW relevant, dazu kommen Landesprogramme.
Die vollständigste Suche bietet die Förderdatenbank des Bundes, die Programme von Bund, Ländern und EU nach Region, Förderart und Unternehmensgröße filtert. Die folgende Tabelle fasst die Programme dieses Artikels zusammen.
| Programm | Ebene | Art | Status Oktober 2026 |
|---|---|---|---|
| Förderung von Unternehmensberatungen für KMU (BAFA) | Bund | Zuschuss Beratung | läuft, Richtlinie bis 31.12.2026 |
| INQA-Coaching (BMAS) | Bund | Zuschuss Coaching | läuft, neue Richtlinie vom 12.06.2026 |
| ERP-Förderkredit Digitalisierung 511/512 (KfW) | Bund | Kredit mit Zuschuss | läuft, Merkblatt Stand 23.04.2026 |
| Mittelstand-Digital Zentren | Bund | kostenlose Beratung | läuft |
| go-digital | Bund | Zuschuss Beratung und Umsetzung | ausgelaufen (Bewilligungen bis 31.12.2024) |
| Digital Jetzt | Bund | Investitionszuschuss | ausgelaufen (Richtlinie bis 31.12.2023) |
| Digitalbonus Bayern | Land | Zuschuss | läuft bis 31.12.2027, monatliche Kontingente |
| Digitalisierungsprämie Plus BW | Land | Kredit mit Tilgungszuschuss | abgelöst seit 01.07.2025 durch Digitalisierungsfinanzierung |
| DIGI-Zuschuss Hessen | Land | Zuschuss | läuft, Teilnahme nur über Förderaufruf |
| MID-Digitalisierung NRW | Land | Zuschuss | läuft, monatliche Verlosung |
| MID-Digitale Prozesse NRW | Land | Zuschuss Beratung | Antragsportal 2026 geschlossen |
| European Digital Innovation Hubs | EU | Beratung, Tests, Schulung | läuft, teils kostenlos |
Welche Bundesprogramme fördern Digitalisierung 2026?
Auf Bundesebene laufen im Oktober 2026 drei Programme mit Geld: die BAFA-Beratungsförderung, das INQA-Coaching und der ERP-Förderkredit Digitalisierung der KfW. Einen reinen Investitionszuschuss für Software, wie es ihn mit Digital Jetzt gab, hat der Bund derzeit nicht.
### BAFA: Förderung von Unternehmensberatungen für KMU Das Programm bezuschusst externe Beratung, auch zu Digitalisierung, nicht aber die Umsetzung selbst. Laut BAFA gilt die Richtlinie für Anträge vom 1. Januar 2023 bis zum 31. Dezember 2026. Jedes Unternehmen kann in dieser Zeit höchstens fünf Beratungen gefördert bekommen, höchstens zwei pro Jahr.
- Höhe: Die Bemessungsgrundlage liegt bei 3.500 Euro je Beratung, der Zuschuss bei 50 Prozent in den alten und 80 Prozent in den neuen Bundesländern (IHK Nürnberg).
- Ablauf: Online-Antrag beim BAFA, Prüfung durch eine Leitstelle, erst nach dem Informationsschreiben darf die Beratung beginnen. Schon der Abschluss des Beratungsvertrags zählt als Beginn.
- Achtung: Die Richtlinie endet am 31. Dezember 2026. Ob und wie es danach weitergeht, ist auf der BAFA-Seite im Oktober 2026 nicht angekündigt.
### INQA-Coaching Das INQA-Coaching des Bundesarbeitsministeriums fördert Beratung zu Personalpolitik und Arbeitsorganisation, ausdrücklich auch im Zusammenhang mit digitaler Transformation. Grundlage ist die Richtlinie vom 12. Juni 2026. Laut Förderdatenbank werden bis zu zwölf Coaching-Tage zu 80 Prozent gefördert, bei einem Tagessatz von höchstens 1.200 Euro netto.
Antragsberechtigt sind Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten, Sitz und Arbeitsstätte in Deutschland und höchstens 50 Millionen Euro Umsatz oder 43 Millionen Euro Bilanzsumme. Der Einstieg läuft über eine regionale INQA-Beratungsstelle mit kostenlosem Erstgespräch.
### KfW: ERP-Förderkredit Digitalisierung (511 und 512) Seit dem 1. Juli 2025 finanziert die KfW Digitalisierungsvorhaben über den ERP-Förderkredit Digitalisierung, der den früheren ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit abgelöst hat. Laut Merkblatt 511, Stand 23.04.2026 gibt es drei Stufen: Basis-, LevelUp- und HighEnd-Digitalisierung. Je anspruchsvoller das Vorhaben, desto günstiger der Zins.
- Betrag: bis 7,5 Millionen Euro in Stufe 1, bis 25 Millionen Euro in den Stufen 2 und 3, ohne Mindestbetrag, bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten.
- Zuschuss: In den Stufen 2 und 3 kann ein ERP-Förderzuschuss beantragt werden, höchstens 200.000 Euro.
- Antrag: über einen Finanzierungspartner, meist die Hausbank, und zwar vor Beginn des Vorhabens.
- KI: Wer die Entwicklung eigener KI-Anwendungen finanziert, sollte laut Merkblatt auch den ERP-Förderkredit Innovation prüfen.
### Mittelstand-Digital Zentren Die Mittelstand-Digital Zentren sind kein Geldprogramm, sondern geförderte Anlaufstellen. Sie beraten kleine und mittlere Unternehmen, Handwerk und Start-ups anbieterneutral und kostenlos zu Digitalisierung und KI, etwa mit Workshops, Sprechstunden und Umsetzungsprojekten. Plätze für eine längere Begleitung sind begrenzt.
Welche Programme sind ausgelaufen?
Die beiden bekanntesten Bundeszuschüsse für Digitalisierung gibt es nicht mehr: go-digital und Digital Jetzt. Viele ältere Artikel und Werbeseiten nennen sie trotzdem noch. In Baden-Württemberg ist außerdem die Digitalisierungsprämie Plus durch ein Nachfolgeprogramm ersetzt worden.
- go-digital: Gefördert wurden Beratung und Umsetzung durch autorisierte Beratungsunternehmen. Bewilligungen gab es längstens bis zum 31. Dezember 2024, 2025 wurde das Programm nicht fortgesetzt (Handwerksblatt).
- Digital Jetzt: Die Richtlinie ist am 31. Dezember 2023 ausgelaufen, neue Anträge sind nicht mehr möglich (IHK Bonn).
- Digitalisierungsprämie Plus (BW): seit 1. Juli 2025 abgelöst durch die Digitalisierungsfinanzierung der L-Bank (siehe unten).
Wer heute eine „go-digital-Förderung“ angeboten bekommt, sollte nachfragen, welches Programm tatsächlich gemeint ist.
Welche Landesprogramme gibt es?
Viele Bundesländer haben eigene Zuschüsse oder Kredite für Digitalisierung. Die vier folgenden sind besonders gefragt, weitere Länderprogramme finden sich in der Förderdatenbank. Gemeinsam ist ihnen: Antrag vor Projektbeginn, oft begrenzte Kontingente oder ein Losverfahren.
### Bayern: Digitalbonus Der Digitalbonus Bayern läuft laut Richtlinie vom 1. Juli 2024 bis zum 31. Dezember 2027. Gefördert werden kleine Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit Betriebsstätte in Bayern, weniger als 50 Vollzeitstellen und höchstens 10 Millionen Euro Umsatz oder Bilanzsumme. Freie Berufe sind ausgeschlossen.
| Variante | Fördersatz | Höchstbetrag |
|---|---|---|
| Digitalbonus Standard | bis 50 % | 7.500 Euro |
| Digitalbonus Plus (besonderer Innovationsgehalt, z. B. KI) | bis 50 % | 30.000 Euro |
Förderfähig sind Ausgaben ab 4.000 Euro. Jeden Monat wird ein Kontingent freigegeben, für den Antrag ist ein ELSTER-Unternehmenskonto nötig. Den Antrag muss das Unternehmen selbst stellen, eine Antragstellung durch Dienstleister ist nicht zulässig.
### Baden-Württemberg: Digitalisierungsfinanzierung Die Digitalisierungsfinanzierung der L-Bank ist seit 1. Juli 2025 das Nachfolgeprogramm der Digitalisierungsprämie Plus. Es ist ein Förderdarlehen von 10.000 Euro bis 5 Millionen Euro (größere Unternehmen bis 25 Millionen Euro), beantragt über die Hausbank. Kleine und mittlere Unternehmen erhalten in den Stufen 2 und 3 bei Vorhaben bis 250.000 Euro eine Digitalisierungsprämie des Landes als Tilgungszuschuss von 5 Prozent des Darlehens.
### Hessen: DIGI-Zuschuss Der DIGI-Zuschuss fördert laut Merkblatt des Wirtschaftsministeriums, Stand 10.04.2026 bis zu 50 Prozent der Ausgaben für externe Anbieter, höchstens 10.000 Euro, ab 4.000 Euro Ausgaben. Antragsberechtigt sind kleine und mittlere Unternehmen und Freie Berufe mit Betriebsstätte in Hessen.
- Förderaufruf: Vor dem Antrag ist die Teilnahme an einem Förderaufruf über das Kundenportal der WIBank Pflicht, ausgewählt wird per Los.
- Grenzen: Jedes Unternehmen wird nur einmal gefördert, Projekte über 50.000 Euro sind ausgeschlossen.
- Inhalte: unter anderem interne Prozesse, Dokumentenmanagement, CRM, Webshops, Datenanalyse und KI sowie IT-Sicherheit.
### Nordrhein-Westfalen: MID-Digitalisierung Seit 1. Januar 2026 betreut die NRW.BANK das Programm MID-Digitalisierung mit angepasster Richtlinie. Gefördert werden 50 Prozent der Ausgaben, höchstens 15.000 Euro, ab 4.000 Euro. Der Schwerpunkt liegt jetzt auf marktfähigen digitalen Produkten mit KI, maschinellem Lernen, Data Mining, Echtzeitverarbeitung oder AR/VR. Die Digitalisierung rein interner Prozesse wird in diesem Teil nicht mehr gefördert.
Der Zugang läuft über eine monatliche Verlosung, nach der Ziehung bleiben 28 Tage für den Antrag. Das Beratungsprogramm MID-Digitale Prozesse ist für 2026 geschlossen, weil die Höchstzahl an Anträgen erreicht ist.
Welche Förderung gibt es von der EU?
Direkte EU-Zuschüsse für die Digitalisierung eines einzelnen kleinen Betriebs sind selten, EU-Geld fließt meist über Programme der Länder und des Bundes. Direkt nutzbar sind die European Digital Innovation Hubs (EDIH), die Beratung, Tests von Technologien, Schulungen und Hilfe bei der Fördersuche anbieten.
Der Katalog der EU-Kommission listet die Hubs in Deutschland mit Schwerpunkten wie KI, Cybersicherheit und Cloud. Die Angebote sind teils kostenlos, teils vergünstigt, die Bedingungen legt jeder Hub selbst fest.
Wie beantrage ich eine Förderung richtig?
Die wichtigste Regel: erst Antrag, dann Auftrag. Fast alle Programme fördern nichts, was vor dem Antrag oder vor der Bewilligung begonnen wurde, und als Beginn zählt oft schon die Unterschrift unter ein Angebot.
- Programm finden: in der Förderdatenbank nach Bundesland und Förderart filtern oder bei IHK, Handwerkskammer oder Wirtschaftsförderung nachfragen.
- Bedingungen prüfen: Unternehmensgröße, Sitz, förderfähige Ausgaben, Mindestbetrag und Kombinationsverbote.
- Angebote einholen, aber noch nichts unterschreiben.
- Antrag stellen oder am Losverfahren teilnehmen, je nach Programm selbst, über die Hausbank oder über eine Leitstelle.
- Erst nach Bestätigung beauftragen, Rechnungen und Zahlungsbelege für den Verwendungsnachweis sammeln.
Ein Hinweis in eigener Sache: SaracAI ist kein Fördermittelberater, stellt keine Förderanträge und kann für eigene Projekte keine Förderung zusagen. Ob ein Vorhaben förderfähig ist, entscheidet allein die jeweilige Förderstelle. Wer ein Digitalisierungs- oder KI-Projekt plant, kann Aufwand und möglichen Nutzen einer Automatisierung vorab mit dem Automatisierungs-Rechner grob durchspielen und für die Förderfrage die genannten Stellen kontaktieren. Rechtliche Pflichten rund um KI, etwa die Schulungspflicht nach Art. 4 KI-Verordnung, erklärt der Ratgeber zur KI-Kompetenzpflicht, weitere Themen stehen unter Recht und Förderung.
Häufige Fragen
Gibt es noch go-digital oder Digital Jetzt?
Nein. Bei go-digital wurden Bewilligungen nur bis zum 31. Dezember 2024 erteilt, das Programm wurde 2025 nicht fortgesetzt. Die Richtlinie von Digital Jetzt ist am 31. Dezember 2023 ausgelaufen. Neue Anträge sind in beiden Programmen nicht mehr möglich.
Kann ich eine Förderung nach Projektstart noch beantragen?
In aller Regel nicht. BAFA, KfW, Digitalbonus Bayern, DIGI-Zuschuss Hessen und MID NRW verlangen den Antrag vor Beginn des Vorhabens. Als Beginn gilt oft schon die verbindliche Bestellung oder der unterschriebene Dienstleistungsvertrag.
Gibt es Förderung speziell für KI-Projekte?
Ein reines KI-Programm für alle Unternehmen gibt es auf Bundesebene nicht, KI ist aber in mehreren Programmen ausdrücklich förderfähig. Beispiele sind der Digitalbonus Plus in Bayern, MID-Digitalisierung in NRW, der DIGI-Zuschuss in Hessen und der ERP-Förderkredit Digitalisierung der KfW.
Darf ein Dienstleister den Förderantrag für mich stellen?
Das hängt vom Programm ab. Beim Digitalbonus Bayern muss das Unternehmen den Antrag ausdrücklich selbst stellen, eine Antragstellung durch Dritte ist nicht zulässig. Bei KfW-Krediten läuft der Antrag über die Hausbank, beim BAFA über das Online-Portal und eine Leitstelle.
Gibt es kostenlose Unterstützung bei der Digitalisierung?
Ja. Die vom Bund geförderten Mittelstand-Digital Zentren beraten kleine und mittlere Unternehmen, Handwerk und Start-ups anbieterneutral und kostenfrei. Dazu kommen die European Digital Innovation Hubs der EU, deren Angebote teils kostenlos, teils vergünstigt sind.
Kann ich mehrere Förderprogramme kombinieren?
Für dieselbe Maßnahme meist nicht, wenn es sich um zwei Zuschüsse handelt. MID-Digitalisierung in NRW schließt andere öffentliche Zuschüsse für dieselbe Maßnahme ausdrücklich aus, erlaubt aber öffentliche Darlehen und Bürgschaften. Viele Landeszuschüsse sind De-minimis-Beihilfen, deren Obergrenze über alle Förderungen zusammen zählt.