Ratgeber
Was ist ein KI-Agent? Einfach erklärt, mit Praxisbeispiel
Kurz erklärt
Ein KI-Agent ist ein Sprachmodell, das über Werkzeuge auf Systeme zugreift und selbst entscheidet, welche Schritte es zur Lösung einer Aufgabe ausführt. Anders als ein Chatbot antwortet er nicht nur, sondern liest Daten, ruft Programme auf und bereitet Ergebnisse vor. Weil er Fehler machen kann, braucht er klare Rechte, Protokolle und eine Prüfung durch Menschen.
„KI-Agent“ ist ein häufig verwendetes Schlagwort rund um künstliche Intelligenz, und es wird sehr unterschiedlich gebraucht. Dieser Ratgeber erklärt in einfachen Worten, was einen KI-Agenten ausmacht, wie er sich von Chatbot und fester Automatisierung unterscheidet, was er im Unternehmen leisten kann und welche Risiken Sie kennen sollten. Als Praxisbeispiel dient ein Agentensystem, das SaracAI für eine Steuerkanzlei gebaut hat.
Was ist ein KI-Agent?
Ein KI-Agent ist ein System, in dem ein Sprachmodell eine Aufgabe in mehreren Schritten selbst bearbeitet: Es entscheidet, welche Informationen es braucht, ruft dafür Werkzeuge auf, bewertet die Zwischenergebnisse und plant den nächsten Schritt. Werkzeuge sind dabei Funktionen, mit denen das Modell zum Beispiel ein Postfach durchsucht, eine Datei liest oder einen Datensatz anlegt.
Anthropic, Anbieter der Claude-Modelle, unterscheidet in seinem Leitfaden „Building effective agents“ zwei Arten von Systemen:
- Workflows: Sprachmodell und Werkzeuge laufen auf vorab festgelegten Wegen.
- Agenten: Das Sprachmodell steuert seinen Ablauf und den Einsatz der Werkzeuge dynamisch selbst.
Diese Unterscheidung ist hilfreich, weil im Alltag beides „Agent“ genannt wird. Für Unternehmen ist der Unterschied wichtig: Ein Workflow ist vorhersehbarer, ein Agent flexibler.
Die Bausteine eines KI-Agenten
| Baustein | Aufgabe |
|---|---|
| Sprachmodell | versteht die Aufgabe, plant Schritte, formuliert Ergebnisse |
| Werkzeuge | Lesen, Suchen, Schreiben in bestimmten Systemen |
| Anweisungen und Regeln | Ziel, Grenzen, Verbote, wann ein Mensch gefragt wird |
| Gedächtnis oder Kontext | Informationen aus früheren Schritten oder hinterlegtes Wissen |
| Protokoll | Nachvollziehbarkeit, welche Schritte ausgeführt wurden |
Was ist der Unterschied zu Chatbot und fester Automatisierung?
Ein Chatbot antwortet, ein KI-Agent handelt. Eine feste Automatisierung führt immer dieselben Schritte aus, ein Agent wählt seine Schritte je nach Fall selbst.
| Chatbot | Feste Automatisierung | KI-Agent | |
|---|---|---|---|
| Hauptaufgabe | Fragen beantworten | festen Ablauf ausführen | Aufgabe in mehreren Schritten lösen |
| Zugriff auf Systeme | meist keiner oder nur lesend | ja, festgelegt | ja, über Werkzeuge |
| Ablauf | Frage und Antwort | immer gleich | je nach Fall verschieden |
| Vorhersehbarkeit | mittel | hoch | geringer |
| Geeignet für | wiederkehrende Fragen | klare, gleichförmige Vorgänge | Vorgänge mit vielen Varianten |
Feste Automatisierung ist oft die bessere Wahl, wenn ein Ablauf immer gleich ist. Anthropic empfiehlt im genannten Leitfaden ausdrücklich, die einfachste funktionierende Lösung zu suchen und Komplexität nur dann zu erhöhen, wenn sie das Ergebnis nachweisbar verbessert. Agentensysteme tauschen laut diesem Leitfaden oft Antwortzeit und Kosten gegen bessere Ergebnisse bei offenen Aufgaben. Wann sich welcher Weg lohnt, vertieft der Ratgeber KI-Agenten oder feste Automatisierung.
Was kann ein KI-Agent im Unternehmen leisten?
Ein KI-Agent kann Vorgänge bearbeiten, bei denen Informationen aus mehreren Quellen zusammengeführt und je nach Fall unterschiedlich behandelt werden müssen. Typisch ist, dass er vorbereitet und ein Mensch freigibt.
Beispiele für geeignete Aufgaben:
- Posteingang: eingehende Mails lesen, Anhänge auswerten, dem richtigen Vorgang zuordnen und eine Antwort vorbereiten.
- Belege: Rechnungen und Kontoauszüge auslesen, mit vorhandenen Buchungen abgleichen und fehlende Belege finden.
- Recherche im eigenen Bestand: Fragen beantworten, indem der Agent Ablage, Datenbank und Mails durchsucht und die Fundstellen nennt.
- Vorgänge vorbereiten: Daten in Fachsoftware eintragen, aber noch nicht endgültig festschreiben.
Weniger geeignet sind Aufgaben, bei denen ein einzelner Fehler hohe Folgen hat und nicht mehr geprüft werden kann, zum Beispiel endgültige Zahlungen oder rechtsverbindliche Erklärungen ohne Freigabe.
Wie sieht ein KI-Agent in der Praxis aus?
Ein Beispiel aus einer Steuerkanzlei, für die SaracAI arbeitet: Dort ist ein KI-Modell über einen eigenen Server, den SaracAI-Connector, an die Systeme der Kanzlei angebunden. Der Connector stellt rund 35 Werkzeuge bereit, die das Modell je nach Aufgabe kombiniert.
Was die Werkzeuge abdecken:
- Mail und Anhänge: Postfächer der Kanzlei lesen, Anhänge wie Excel, PDF und CSV als Text auswerten, auch gescannte PDFs und Bilddateien.
- Mandantenakte: Dateien in der Ablage suchen und lesen.
- DATEV lesen: Summen- und Saldenliste, Kontobuchungen, offene Posten und Sachkonten über ein Gateway abrufen.
- Vorbereiten und buchen: Konto-Vorschläge aus der Buchungshistorie, Abgleich von Bankzeilen mit Belegen, Buchungen in noch nicht festgeschriebene Stapel, Belege in die DATEV-Ablage legen.
Zwei Grenzen sind bewusst eingebaut: Gebucht wird nur in Stapel, die noch nicht festgeschrieben sind, und die Ergebnisse prüft die Kanzlei. Die Verbindung zwischen Modell und Werkzeugen läuft über das Model Context Protocol (MCP), einen offenen Standard, mit dem KI-Anwendungen an Datenquellen und Werkzeuge angebunden werden. Die MCP-Dokumentation vergleicht ihn mit einem USB-C-Anschluss für KI-Anwendungen. Mehr zum Projekt finden Sie unter Referenz Kanzlei-Automatisierung.
Welche Risiken haben KI-Agenten?
Die Hauptrisiken sind falsche Ergebnisse, zu weit gefasste Zugriffsrechte und Manipulation über Eingaben. Weil ein Agent selbst handelt, wirken sich Fehler stärker aus als bei einem Chatbot, der nur antwortet. Anthropic weist im genannten Leitfaden darauf hin, dass die Eigenständigkeit von Agenten zu höheren Kosten und sich aufsummierenden Fehlern führen kann.
Die wichtigsten Risiken
- Halluzinationen: Sprachmodelle können falsche Angaben überzeugend formulieren. Bei einem Agenten können daraus falsche Aktionen werden.
- Prompt Injection: Ein Angreifer versteckt Anweisungen in einer Mail, Webseite oder Datei, die der Agent liest. Die OWASP-Liste der Risiken für Sprachmodell-Anwendungen führt das als erstes Risiko.
- Zu viele Rechte: Darf ein Agent alles, was ein Administrator darf, kann ein einziger Fehler großen Schaden anrichten.
- Datenschutz: Agenten verarbeiten oft personenbezogene Daten. Es gelten die DSGVO und Verträge zur Auftragsverarbeitung mit den eingesetzten Diensten.
Was dagegen hilft
| Maßnahme | Wirkung |
|---|---|
| minimale Rechte je Werkzeug | Fehler und Missbrauch bleiben begrenzt |
| keine endgültigen Aktionen ohne Freigabe | ein Mensch prüft, bevor etwas festgeschrieben oder versendet wird |
| Protokoll aller Schritte | Fehler lassen sich nachvollziehen |
| Inhalte aus Mails und Dateien als Daten behandeln, nie als Anweisung | schützt vor Prompt Injection |
| Tests mit echten, auch schwierigen Fällen | Schwächen zeigen sich vor dem Echtbetrieb |
Für den rechtlichen Rahmen gilt neben der DSGVO die EU-KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689). Ob und welche Pflichten daraus für einen bestimmten Agenten folgen, hängt vom Einsatzzweck ab. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.
Brauche ich einen KI-Agenten?
Einen KI-Agenten brauchen Sie, wenn eine Aufgabe häufig anfällt, Informationen aus mehreren Systemen erfordert und von Fall zu Fall anders abläuft. Wenn ein Ablauf immer gleich ist, genügt meist eine feste Automatisierung, und für reine Textarbeit reicht ein Chat-Assistent.
Drei Prüffragen helfen bei der Entscheidung:
- Wechselt der Ablauf je nach Fall? Wenn nein, reicht eine feste Automatisierung.
- Braucht die Aufgabe Zugriff auf mehrere Systeme? Wenn nein, reicht oft ein Chat-Assistent.
- Lässt sich das Ergebnis vor der Wirkung prüfen? Wenn nein, sollte der Agent nur vorbereiten, nicht ausführen.
Welche Werkzeuge es neben Agenten gibt, zeigt der Ratgeber Welche KI passt zu meinem Unternehmen?. Mit welchen Kostenposten Sie bei einem Agenten rechnen müssen, beschreibt Was kostet KI im Unternehmen?.
Häufige Fragen
Was können KI-Agenten im Unternehmen?
KI-Agenten können Informationen aus mehreren Quellen zusammentragen, Dokumente und E-Mails auslesen, Daten zwischen Programmen übertragen und Vorgänge wie Buchungen oder Antworten vorbereiten. Sie eignen sich für Aufgaben, deren Schritte sich von Fall zu Fall unterscheiden. Endgültige Entscheidungen mit rechtlicher oder finanzieller Wirkung sollten bei Menschen bleiben.
Was ist der Unterschied zwischen KI-Agent und Chatbot?
Ein Chatbot beantwortet Fragen im Gespräch, meist auf Grundlage vorhandener Texte. Ein KI-Agent hat zusätzlich Werkzeuge, mit denen er auf Systeme zugreift und Aktionen ausführt, und er plant die nötigen Schritte selbst. Ein Chatbot kann Teil eines Agentensystems sein, muss es aber nicht.
Wie baut man einen KI-Agenten?
Man verbindet ein Sprachmodell mit Werkzeugen, also Funktionen für Lesen, Suchen oder Schreiben in bestimmten Systemen, und gibt ihm Anweisungen und Regeln. Dafür gibt es Entwicklungsbibliotheken der Modellanbieter, Plattformen wie n8n sowie Standards wie das Model Context Protocol. Der größte Aufwand liegt in sauberen Werkzeugen, Rechten und Tests mit echten Fällen.
Welche Arten von KI-Agenten gibt es?
Praktisch unterscheidet man nach Freiheitsgrad: Assistenten mit Werkzeugen, die auf Anweisung einzelne Aktionen ausführen; Agenten, die eine Aufgabe selbstständig in mehreren Schritten lösen; und Systeme aus mehreren Agenten mit verteilten Rollen. Daneben werden Agenten nach Einsatzgebiet benannt, etwa Recherche-, Programmier- oder Kundenservice-Agenten.
Sind KI-Agenten sicher?
Sie sind so sicher wie ihre Rechte und Kontrollen. Hauptrisiken sind falsche Ergebnisse, zu weit gefasste Zugriffsrechte und manipulierte Eingaben, sogenannte Prompt Injection. Schutz bieten minimale Rechte, keine endgültigen Aktionen ohne Freigabe, Protokolle und Tests.
Was bedeutet agentische KI?
Agentische KI, englisch agentic AI, bezeichnet KI-Systeme, die nicht nur auf eine Eingabe antworten, sondern Ziele in mehreren Schritten verfolgen, Werkzeuge nutzen und ihr Vorgehen anhand von Zwischenergebnissen anpassen. Der Begriff beschreibt also die Arbeitsweise, die einen KI-Agenten ausmacht.
Was ist ein KI-Agent?
Ein KI-Agent ist ein Programm, das mit einem Sprachmodell eine Aufgabe in Schritte zerlegt und dafür selbstständig Werkzeuge nutzt, etwa eine Suche, eine Datenbank oder eine Schnittstelle. Er handelt nur innerhalb der Rechte, die man ihm einräumt. Quelle: Anthropic: Building effective agents.
Was können KI-Agenten im Unternehmen?
KI-Agenten können Informationen aus mehreren Quellen zusammentragen, Entwürfe erstellen, Daten in Systeme übertragen und mehrstufige Aufgaben vorbereiten, etwa Belege einordnen oder E-Mails sortieren. Was konkret möglich ist, bestimmen die Werkzeuge und Rechte, die man dem Agenten gibt. Wichtige Schritte sollten ein Mensch prüfen oder freigeben.
Was ist der Unterschied zwischen KI-Agent und Chatbot?
Ein Chatbot führt einen Dialog und antwortet auf Fragen. Ein KI-Agent geht weiter: Er verfolgt ein Ziel über mehrere Schritte und kann Werkzeuge bedienen, also zum Beispiel Daten abrufen oder eintragen. Viele Agenten haben zusätzlich eine Chat-Oberfläche, der Unterschied liegt im Handeln, nicht in der Eingabe.
Wie baut man einen KI-Agenten?
Ein Agent besteht aus einem Sprachmodell, Werkzeugen mit klar begrenzten Rechten, einer Anweisung für das Ziel und einer Schleife, in der das Modell plant, ein Werkzeug aufruft und das Ergebnis prüft. Anbieter empfehlen, mit der einfachsten Lösung zu beginnen und nur dann einen Agenten einzusetzen, wenn feste Abläufe nicht genügen. Quelle: Anthropic: Building effective agents.
Welche Arten von KI-Agenten gibt es?
Gängig ist die Unterscheidung nach Selbstständigkeit: Assistenten, die auf Anfrage einzelne Schritte erledigen, Workflow-Agenten, die einen vorgegebenen Ablauf mit KI-Schritten abarbeiten, und autonomere Agenten, die den Weg zum Ziel selbst planen. Hinzu kommen Systeme aus mehreren zusammenarbeitenden Agenten. Eine einheitliche Norm für diese Einteilung gibt es nicht.